usRike hat geschrieben:Hallo,
es wurde ja schon öfter darüer diskutiert, ob es wirklich so gut ist, wenn man mit aller Gewalt ein Haus abdichten will. Einerseits heißt es immer, wenn das Haus zu dicht ist, ist das Raumklima auch nicht gut. Andererseits gibt es ja auch hier im Forum Verfechter von superdichten Häusern, die sagen, dass eine Belüftungsanlage da vollkommen ausreichend ist.
Na ja, da scheiden sich vermutlich die Geister. Das Problem dürften häufig wohl auch die Kosten sein, die mit einer zusätzlichen Installation einer Lüftungsanlage verbunden sind.
Aber ich habe mal eine andere Frage in diesem Zusammenhang. Man liest hier so viel von der Blower Door Messeung. Gibt es eigentlich auch noch eine andere Messmethode, um festzustellen, ob das Haus wirklich dicht genug ist?
LG
usRike
Hallo usRike,
man kann nicht sinnvoll darüber diskutieren,
ob man ein gedämmtes Haus dicht bauen muß!
Wenn Du Dir vorstellst wie Dämmung funktioniert, nämlich als viele kleine stillstehende Luft-Einzelvolumen die dadurch einen Wärmetransport durch die Konstruktion hindurch bremsen, kannst Du nicht mehr die Sinnhaftigkeit der dichten Ausführung hinterfragen.
Das wäre als ob Du im dicken Pullover aber ohne Jacke in einer windigen Januarnacht nach draussen gehen würdest: der eiskalte Wind zieht durch alle kleinsten Öffnungen im Gewebe des Pullovers und Du frierst ganz jämmerlich weil die vielen kleinen Luftkämmerchen im Wollgeflecht eben nicht mehr ruhig liegen sondern durchströmt werden. Ziehst Du Dir aber eine winddichte Jacke über, kann der dicke Pullover wieder seine Aufgabe erfüllen......
Dazu kommt, daß beim Haus die warme Innenluft auch durch die Nutzung mit Feuchtigkeit angereichert wird und wenn die dann durch die Dämmung nach aussen fließt kühlt die Luft ab bis zur Aussentemperatur, verliert dabei aber ihre Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit, die relative Luftfeuchtigkeit steigt über 100 % und Du hast in der Wandkonstruktion ausfallendes richtig flüssiges Kondenswasser, ziemlich genau das gleiche was passiert, wenn Du im Sommer ein kaltes Getränk bestellst und das Glas AUSSEN naß wird: das ist die Sommerluft die an dem eiskalten Glas abkühlt und dabei ihre Feuchtigkeit abgeben muß ..... Nebel und Regen funktionieren ganz genauso, also einfach mal ein bisschen weiterdenken
Ein Haus das nicht dicht ist holt sich also Bauschäden, besonders dann, wenn es grundsätzlich gedämmt ist,
Es darf nicht durch eine Hauswand ziehen, ein Haus atmet nicht, vergiß den Quatsch, das ist ein reiner Werbespruch von einigen Baustoffherstellern weil denen nichts besseres eingefallen ist!
Tatsächlich wird das Raumklima schlecht, wenn sich Kondensat in den Wänden bildet und es anfängt zu schimmeln, das undichte Haus ist der Supergau!
Das luftdicht bauen ist also absolute Pflicht und keine Glaubensrichtung, gleichzeitig heißt das natürlich nicht, daß man kein Fenster aufmachen darf, es geht um den Schutz der Baukonstruktion und den Wärmeschutz, nicht um das verbieten von Atemluft

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Und natürlich ist das lüften mit einer kontrollierten Wohnungslüftungsanlage komfortabler als das ständige nachdenken, wo und wie man jetzt ganz konsequent und schnell querlüften soll..... dazu eben energiesparend weil beim normalen Fensterlüften nahezu die Hälfte der Heizenergie verloren geht ! ...... und es verbietet keiner, trotzdem bei schönem Wetter ein Fenster aufzumachen, dafür sind immer noch so kleine drehbare Griffe dran
Ob man bei den Vorteilen die relativ moderaten Kosten einer Lüftungsanlage im Neubau hinterfragen sollte? Zumal dadurch auch ganz sicher die Feuchtigkeit dort aus dem Haus geholt wird wo sie entsteht und gar nicht erst hinter den Schlafzimmerschrank wandern und für Schimmel sorgen kann .........
Die Blower-Door-Messung besteht aus einer Druckprobe, bei der sowohl mit Unter- als mit Überdruck nachgewiesen wird, ob und ggf. wo Luftleckagen bestehen. Wie anders als so soll man das nachweisen?
Man kann lediglich unterstützend mit einer Thermografiekamera den Nachweis / die Ortung von Leckagen präzisieren, aber nur Thermografie bringt nichts weil es dann ja keine Luftbewegung gibt ......
Für die Prüfung gibt es spezielle Maschinen die mit einem präzise justierbaren Ventilator und einem Luftmengenmesser sowie entsprechendem Computerprogramm den Nachweis führen. Hier gab es früher eigentlich nur die Minneapolis Blower Door Apperatur als bekanntes Meßgerät. Unterdessen gibt es hier aber Konkurrenzprodukte verschiedener Hersteller.
Ich habe zum Beispiel die Blower Check BC 21 von Wöhler die praktikabler bei normalen Einfamilienhausgrößen ist, dafür aber nicht in industrielle Bereiche vorstoßen kann
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Gruß
Arno Kuschow