Energiewende im deutschen Verkehrssektor – ein großes Missverständnis?

AutobahnDer Verkehrssektor wird von Klimaexperten und Umweltverbänden immer wieder gerne als großes Sorgenkind der Energiewende bezeichnet. Doch warum lassen sich diese beiden Bereiche im Hinblick auf eine angestrebte CO2-freie Zukunft mit Hilfe von erneuerbaren Energien in Deutschland so schwer miteinander vereinen? Und dass, obwohl beide doch eigentlich absolut miteinander vereinbar sind.

Betrachtet man die kurzfristigen Ziele, die sich die Bundesregierung vor dem Hintergrund der Energiewende und den kontinuierlichen Umstieg auf erneuerbare Energien gesetzt hat, dann bleibt festzuhalten, dass diese nur noch schwer zu erreichen sind. Dies geht zumindest aus der im November 2015 veröffentlichten Metaanalyse „Energiewende im Verkehrssektor“ hervor, die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien erstellt hat. Die Studie vertritt dabei nicht nur das Ziel über den aktuellen Stand – mit Blick auf die Energieversorgung auf dem deutschen Verkehrssektor – zu informieren, sondern ebenfalls die Intension eine öffentliche Debatte zu diesem oft von vielen Seiten unterschätztem Thema anzustoßen.

Gestiegenes Verkehrsaufkommen als großes Problemfeld

Besonders alarmierend ist dabei die Tatsache, dass die durch den Verkehrssektor verursachten Emissionen heute höher sind, als noch vor 10 Jahren, obwohl die heutigen Motoren deutlich umweltfreundlicher sind. Begründen lässt sich diese Entwicklung ganz einfach anhand der immer weiter steigenden Verkehrsleistung, sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Dass Experten insbesondere für den Güter- und Luftverkehr auch zukünftig einen Anstieg der Verkehrsleistung vorhersagen, macht die Aussicht für die nächsten Jahre nicht unbedingt besser. Doch wie lassen sich die CO2-Emissionen nun verringern?

Dazu hält die Studie eine wichtige Forderung bereit. Um dem Trend der steigenden Emissionen in den letzten 10 Jahren entgegen zu steuern und somit letztlich doch noch die Energiewende im Verkehrssektor erfolgreich auf den Weg zu bringen, sind vor allem technologische Veränderungen nötig. Darüber hinaus fordern Umweltexperten seit Jahren Alternativen zu den herkömmlichen Kraftstoffen zu entwickeln, bezieht der deutsche Verkehrssektor doch heute über 90 Prozent seiner Energien aus Erdöl. „In Frage kommen hierfür (teil-)elektrische Antriebe sowie der Einsatz von Kraftstoffen, die aus Biomasse oder Strom gewonnen werden“, heißt es in der Studie.

Politik unter Zugzwang

Ebenso geriet die Bundespolitik zunehmend in die Kritik der großen Umweltverbände. Der Hauptvorwurf hierbei ist, dass die Maßnahmen aus Berlin viel zu wenig darauf ausgelegt sind, den Verkehr in Deutschland zu verlagern. Forderungen wie ein flächendeckendes Tempo 30-Limit in Städten oder das kontinuierliche Ausbauen von S-Bahn- und Busnetzen sowie die Erweiterung von Radwegen sollen den Menschen den Umstieg vom PKW auf das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel erleichtern. Genau hier würde auch eine PKW-Maut, die für alle Straßen gilt und entfernungs- und emissionsabhängig ist, ansetzen. Ebenfalls fällt in diesem Zusammenhang immer wieder der Begriff des Konzepts der kurzen Wege, wonach die Menschen in den Orten oder Stadtvierteln in denen sie wohnen, auch ihre komplette Freizeit verbringen, dort einkaufen gehen und ihren Job haben. Ein Appell an die Stadtplaner der näheren Zukunft.

Die Bundesregierung in Berlin, als auch die Europapolitik in Brüssel werden die Forderungen der Klimaschützer und Umweltverbände früher oder später ganz oben auf ihre Agenda setzen müssen. Schließlich ist auch von der Bundesregierung eine Treibhausgasminderungen von mindestens 80 Prozent bis 2050 fest angestrebt.

Bildquelle: © 919073 Unsplash – pixabay.com