Siemens will ins Geschäft mit Motoren für E-Autos einsteigen

Einsteigen, aussteigen, wieder einsteigen…wer die Unternehmensentscheidungen nach dem Wechsel des Firmenvorstands beobachtet, kann regelmäßig feststellen, dass Neubesetzungen an der Unternehmensspitze großer Konzerne der Elektronikbranche fast immer mit einem recht deutlichen Strategiewechsel einhergehen. Ähnliches zeichnet sich auch im Falle des Siemens-Konzerns ab. Während Mitbewerber Volkswagen bzw. der dortige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech zuletzt bekannte, nicht sonderlich von reinen Elektroautos überzeugt zu sein, will man im Hause Siemens nun sehr wohl am Markt für E-Mobilität partizipieren.

Die Abkehr vom Ausstieg aus dem Jahr 2007

Elektroauto an LadestationDas Besondere an der Stellungnahme von Joe Kaeser, des Chefs des Technologie-Riesen aus München: Sein Vorgänger, der damalige Siemens-Chef Peter Löscher, hatte genau die gegenteilige Marschrichtung vorgegeben. Im Jahr 2007 – Löscher hatte gerade die Geschäfte bei Siemens in die Hand genommen – verkündete der Manager, Siemens werde sich vollständig aus der Entwicklung von Elektroautos zurückziehen. Und jetzt wieder alles auf Anfang? Allzu schwierig dürfte das Umschwenken beim Unternehmen Siemens als Global Player der Technologiebranche sicher nicht fallen, schließlich hat man insgesamt mehr als genug Erfahrungen mit modernen Energiekonzepten vorzuweisen, die sich vermutlich vergleichsweise leicht auf den Automobilsektor übertragen lassen.

Unklarer Zeitpunkt für den großen Brancheneinstieg

Wann und wie die Münchener ihren Einstieg vollziehen möchten, dazu äußerte sich der Chef des Unternehmens aber nicht genauer. Für die Autobauern jedenfalls, die bereits an eigenen E-Autos arbeiten oder baldige Markteinführungen planen, könnte die Aussage Kaesers durchaus ein Hinweis auf neue, starke Konkurrenz sein. Der Branche kann es sicher nur gut tun, denn weiterhin kämpft das klassische E-Fahrzeug mit seinem Image. Trotz neuer Entwicklungen tituliert mancher Kritiker E-Autos gerne als Spielzeug-Fahrzeuge oder eine Art bessere Golfautos, die eher fürs Grün als den Straßenverkehr geeignet seien. Vor allem in Europa hat es die Elektromobilität nach wie vor schwer. Dennoch verbuchte die Branche in den vergangenen Jahren wichtige Erfolge.

Kooperation verschiedener Unternehmenssparten als Zukunfts-Chance

Die Entscheidung zugunsten des Ausbaus von Elektroantriebs-Technologien mag im Falle von Siemens leicht gefallen sein. Immerhin ist der Sektor ein ausgesprochen vielversprechender und zukunftsträchtiger Bereich, der vor allem im Kontext der erneuerbaren Energien denkbar gut ins Portfolio des Konzerns passt. Vorstellen kann sich mancher Beobachter der Ankündigungen schon jetzt, dass Siemens in einigen Jahren sogar selbst als Hersteller eigener E-Autos in Erscheinung treten könnte. Interessante Möglichkeiten könnten sich für das deutsche Traditionsunternehmen gerade in Asien bieten. Schon seit etlichen Jahren ist Siemens für ein umfangreiches wirtschaftliches Engagement in der Volksrepublik China bekannt.

Und besonders dort baut die Regierung die Förderprogramme auf dem Gebiet der E-Mobilität seit Jahren konstant aus. Fraglos möglich, dass Siemens im Reich der Mitte noch stärker als bisher aktiv wird, um gerade einen Fuß in die Tür des noch recht jungen Marktes zu bekommen.

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