Silkon-Folie statt Gezeitenkraftwerke

Wellen_© Zacarias da Mata - Fotolia.comSonnenenergie und Windkraft sind zwei, aber nicht die einzigen Ansätze, um unter Berücksichtigung und Schonung der natürlichen Ressourcen Strom zu erzeugen. Die dritte Kraft im Bunde ist Wellenkraft. Bisher setzen die Energieversorger bei der Energiegewinnung vor allem auf die sogenannten Gezeitenkraftwerke. Doch die Kraftwerke sind nur eine Alternative, um Wellenkraft als Quelle zur Stromerzeugung zu nutzen. Die Technische Universität Hamburg-Harburg widmet sich nun einer Neuentwicklung, für die ein Zusammenschluss verschiedener Forschergruppen und Konzerne verantwortlich sind.

Meer bietet reichlich Chancen zur Energiegewinnung

Eine neue Folie aus Silikon soll auf den Prüfstand gestellt werden. Der Hintergrund ist Strom-Erzeugung aus Wellendruck. Bezeichnet werden die Folien als „dielektrische Elastomere“. Die Energiegewinnung auf diese Weise birgt nach Auffassung der Entwickler vor allem einen Vorteil. In etlichen Lagen übereinander, benötigen die Folien auf dem Grund des Meeres nur wenig Platz. Dies hat den Vorteil, dass auf wenig Raum am Ende auch vergleichsweise große Energiemengen über die Umwandlung erzeugt werden können.

Strom aus Wellenkraft könnte gesamte Welt versorgen

Am Ende der Entwicklung könnte später im Grunde ein vollkommen neues Konzept eines Unterwasser-Kraftwerks stehen. Auf dem Papier lesen sich die Ziele durchaus erstaunlich. In der Theorie nämlich könnte vom Meeresgrund der Strombedarf der ganzen Welt gedeckt werden. Schließlich nehmen die Weltmeere einen Großteil des Erdballs ein. Kapazitäten, die bisher schlicht nicht genutzt werden. Bei den Vereinten Nationen zum Beispiel berechnete man, dass aus Wellen pro Jahr etwa 29.500 Terawattstunden Strom gewonnen werden könnten. Dies entspricht einer Gesamtmenge, die rund 8.000 Terawattstunden über dem weltweiten Stromverbrauch aus dem Jahr 2010 liegt, heißt es in Informationen der Internationalen Energie-Agentur.

Forscher widmen sich ab 2014 den Praxistests

Zusammen mit der TU Hamburg-Harburg arbeiten Kollegen der TU Darmstadt sowie Großkonzerne wie etwa Bosch an der zukunftsweisenden Technologie. Strom aus Wasserdruck – so könnte der Weg von morgen aussehen. Und nicht einmal in Hochsee-Regionen müssen die Forscher für die Installation der Anlagen vordringen. Für den Laien formuliert, reicht es, zwei der Folien in Strandnähe im Meer zu positionieren. Beide Folien sind elektrisch leitend. Zwischen ihnen wird zudem eine elektrisch isolierende Silikonfolie installiert, sodass die Außenfolien die Rolle von Elektroden übernehmen. Die Spannung wird aus dem Druck der Wellen auf die Folie erzeugt. Die ersten Gehversuche machen Hoffnung. Gebaut wurde der sogenannte Demonstrator an der TU Darmstadt unter Leitung von Istvan Denes.

Der Konzern Wacker Chemie steuerte die benötigten Folien bei, während der erste Trockentest im Hause Bosch durchgeführt wurde. Eine echte Gemeinschaftsleistung also. 2014 sollen dann in Hamburg die ersten praktischen Tests im Wellenkanal in Angriff genommen werden. Schon der Demonstrator besteht aus 12 Folien-Schichten übereinander. Die späteren Kraftwerke nach aus dem Forschungsprojekt „EpoSIl“ könnten im Prinzip turmhoch gebaut werden und bei entsprechender Bauweise ständig Energie produzieren.

Bildquelle: © Zacarias da Mata – Fotolia.com

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